Wie leitet sich der Name Katzberg ab bzw. wie ist er entstanden?

 

Die Deutung eines Familiennamens kann nicht losgelöst vom sprachlichen Umfeld seiner Entstehung erfolgen, daher muss zunächst das Ursprungsareal des Namens umrissen werden. Einen ersten Aufschluss über die Entstehungsregion liefert seine gegenwertige Verbreitung im deutschen Sprachgebiet. Der Familienname Katzberg erscheint in den heutigen zugrundeliegenden Datenbanken vom Ende des 20. Jahrhunderts 71-mal und gehört somit zu den seltenen Namen in Deutschland. Pro Eintrag ist etwa 2,8 und daher von rund 200 Namensträgern auszugehen. Die gegenwärtige Verbreitung des Namens bezieht sich vor allem auf den nördlichen Teil Deutschlands. Größere Zentren sind im nördlichen Brandenburg (Landkreise Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Oberhavel) und Berlin sowie im südlichen Niedersachsen und das nördliche Nordrhein-Westfalen (Landkreise Osnabrück, Minden-Lübbecke, Herford) festzustellen.


Die heutige Verbreitung eines Nachnamens kann sehr aufschlussreich für die Lokalisierung seiner Ursprungsregion sein, da Familiennamen trotz der neuzeitlichen Mobilität oft im Entstehungsgebiet verharren. Diese Konstanz wird häufig durch Flucht- und Vertreibungsbewegungen am Ende des Zweiten Weltkrieges aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten durchbrochen. Um solche und andere neuzeitliche Wanderungsbewegungen berücksichtigen zu können, ist es notwendig, Hinweise auf historische Vorkommen des Namens zu erlangen.

Genealogische Datenbanken liefern einige Belege des Familiennamens Katzberg vom 18. Jahrhundert bis in die jüngste Vergangenheit. Die Namensträger lebten überwiegend in und um Schwerin. Auch im heutigen Polen lassen sich historische Träger des Namens Katzberg nachweisen, so in den Orten Deutsch Fuhlbeck (Ortslage heute im Ort Wielboki, Woiwodschaft Westpommern), Kiejsze und Wierzelin (Woidwodschaft Großpolen). Der älteste Eintrag in diesen Datenbanken ist 1753 in Hillensberg (Nordrhein-Westfalen) verzeichnet, jedoch ohne Nennung des Vornamens. Im Abgleich historischer und gegenwärtiger Verbreitungsdaten sowie unter Einbeziehung meiner vorhandenen Angaben zur Herkunft der Familie aus der Gegend um Schwerin und Plate lässt sich festhalten, das der Familienname Katzberg in mehreren, voneinander unabhängigen Familien entstanden ist. Der Fokus dieser Recherche liegt auf dem heutigen Gebiet Mecklenburg-Vorpommern.


Der Familienname Katzberg gehört zu den zahlreichen Wohnstätten- und Herkunftsnamen, denen mittelhochdeutsch berc, mittelniederdeutsch berch 'Berg' als Grundwort zugrundegelegt wird.


Insgesamt gibt es heute über 4300 verschiedene Familiennamen die mit –berg enden, wie z.B. Steinberg, Rosenberg, Sonnenberg usw.. Auf diese Namen trifft man oft in der nördlichen Deutschlandhälfte, während ihre Weiterbildungen mit –er also Steinberger, Rosenberger, Sonnenberger usw. die süddeutsche Hälfte ausfüllen.


Generell gilt, dass Wohnstätten- und Herkunftsname(n) auf -berg(er) nur in Einzelfällen trennbar sind.


Beim Familiennamen Katzberg kann es sich prinzipiell um einen Herkunftsnamen zu dem häufig belegten Ortsnamen Katzberg handeln, z.B. Katzberg bei Neuschönau oder Cham in Bayern oder bei Schalkau in Thüringen.


Im Falle eines Flurnamens verweist der Name auf eine kleine Erhebung. Folgende  wie, z.B. der Katzberg am Deister, in der Nähe von Bad Münder, oder den Katzberg in Langenfeld (Rheinland), oder den Katzberg in Geesthacht (Schleswig-Holstein), oder der Katzberg in Namibia (Afrika), oder der Kaßberg (früher Katzberg), ein Stadtteil von Chemnitz, oder der Katzenberge in Wiesenburg/Mark, oder das Katzengebirge in Trzebnicke Wzgorza in Polen (20 km nördlich von Breslau), oder der Katzenberg in Tirol (Österreich). Flurnamen sind, im Gegensatz zu den meisten Ortsnamen, eher spärlich überliefert, weshalb sie in den urkundlichen Quellen selten erscheinen. Der erste Namensträger Katzberg konnte auf oder an einem solchen Katzberg leben, wobei der Name später auf ihn als Bei- bzw. Familienname überging. Aufgrund der vor allem im ländlichen Raum noch fehlenden Straßennamen waren Flurnamen als ursprüngliche Adressangabe recht häufig und fanden so Eingang in den Familiennamenschatz. Katzberg bedeutet daher in diesem Kontext `der auf/am/beim Katzberg Lebende`. Hinsichtlich der möglichen Bedeutung des Bestimmungswortes Katz- bezogen auf sowohl Orts- als auch Flurnamen - sei darauf verwiesen, dass die häufig angeführte Deutung, der Name leite sich von den auf oder an dem Berg lebenden Wildkatzen her, wohl nicht in der Häufigkeit, wie Katzberg begegnen, haltbar ist. Auszuschließen ist eine Herleitung von altsächsisch *katta `Katze`, mittelniederdeutsch katte `(Wild-)Katze`jedoch in Einzelfällen nicht. Möglich ist, bezogen auf die relative Häufigkeit der Bergnamen, hingegen, dass die Form eines Berges wie eine (liegende) Katze oder ein Katzenbuckel aussah und so die Benennung rechtfertigte. Jedoch müsste dies bei jedem Katzberg geprüft werden.

Die genannten Orte kommen jedoch zunächst nicht als Ursprung meines Familiennamens in Frage, da sich Familiennamen nach Herkunft meist im Gebiet des jeweiligen Entstehungsortes befinden. Falls ich bei Nachforschungen in meiner Familiengeschichte eine Zuwanderung aus einen dieser Orte (oder einer Wüstung) nachweisen kann, ist eine Bedeutung „der aus Katzberg Stammende“ anzusetzen. Dabei ist davon auszugehen, dass der erste Namensträger eine besondere Beziehung zum Herkunftsort hatte - meist stammte er daher. In einigen Fällen konnten aber auch Handelsbeziehungen den Ausschlag für die Benennung geben. Der Vorname des ersten Namensträgers wurde mit dem betreffenden Ortsnamen mit Hilfe der Präposition von, niederdeutsch van, in lateinischen Urkunden de (beispielsweise Hörig van Veldeken, Johannes de Cassel) verbunden. Später fiel die Präposition meist aus und im norddeutschen und nördlichen mitteldeutschen Raum verfestigte sich der bloße Ortsname als Familienname.

Pauschal kann nicht gesagt werden, worauf sich die genannten Ortsnamen zurückführen lassen - hier sind Einzeluntersuchungen anzusetzen, da für jeden Siedlungsnamen die historischen Belege herangezogen werden müssen. Dies ist erst dann sinnvoll, wenn die Herkunft aus einem bestimmten Ort - z.B. durch intensive genealogische Forschungen - als gesichert gilt.

In der neueren Forschung wurde indes zu einem vergleichbaren Ortsnamen im niederdeutschen Sprachraum ein sprachhistorisch treffender Ansatz geäußert, der Beachtung verdient und sicherlich in einigen Fällen - in jedem Fall müssen die historischen Belege jedes Ortes herangezogen werden - anzusetzen ist. Kurz zusammengefasst behandelt der Aufsatz die Annahme, dass die Orts- und Flurnamen mit Katt-, Kattes- und Katten- im niedersächsischen Sprachraum nicht zwangsläufig mit der Katze in Verbindung stehen. Vielmehr wird auf eine indogermanische Wurzel *geu- `biegen, krümmen, wölben`verwiesen, die sich in einigen Fällen über *geu- zu *ge entwickeln konnte. Von dieser Form nun konnte die Schwundstufe (salopp formuliert eine reduzierte Variante der Wurzel, die vor allem für die germanischen Sprachen maßgeblich wurde) * ge (e=gespiegelt) eine Dentalerweiterung (*ge-d-) erfahren und im Germanischen zu *ka-t- werden. Für unser Bestimmungswort bedeutet dies, dass es etwas mit Krümmung, Biegung zu tun hat. Übertragen auf den Namen Katzberg ist denkbar, dass eine gekrümmte Form des Berges (in der Draufsicht) für die Benennung ausschlaggebend gewesen sein könnte- Doch auch diese Deutungsmöglichkeit müsste in jedem Einzelfall geprüft werden.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass sich der Familienname Katzberg sowohl von einem Ortsnamen als auch von einem Flurnamen (Bergnamen) ableiten kann. Er ist in diesen Fällen zum einen als Herkunftsname zu einem Ortsnamen (`der aus Katzberg Stammende`), zum anderen als Wohnstättenname zu erklären (`der am/auf dem/beim Katzberg Wohnende`).


Quelle: in Auftrag gegebenes Namensgutachten vom Zentrum für Namensforschung PROF. UDOLPH, Leipzig (mit kleinen vom mir verfassten Änderungen) 

 

 


09. Dezember 2013, 18:48

Kiesberg

Vieleicht kommt der Name Katzberg von dem der die "Katzenkopfsteinplaster" im Steinbruch geschlagen oder dort gelebt hat?

 

  

Ö

Elsa (geb. Faltin) und Otto-Friedrich-Wilhelm Katzberg

 

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